Die Street-Tour

Seit 1994 rollt die "Street-Tour" des Fan-Projekts in Zusammenarbeit mit der "DEW–Dortmunder Energie und Wasser". Dieses vom Fan–Projekt konzipierte mobile, sportpädagogische Angebot ist inzwischen zu einem festen Bestandteil
der sportlichen Jugendsozialarbeit in Dortmund geworden.

Wir sind in den Monaten April bis September zu den verschiedensten Terminen an den unterschiedlichsten Orten und Gegenden Dortmunds und so auch einmal in eurer Nähe! Guckt einfach in die Rubrik "Termine" und schon könnt Ihr selbst nachschauen, wann wir zu Euch kommen. Natürlich aktualisieren wir die Termine regelmäßig!
 Sagt all' euren Freunden Bescheid, je mehr Mannschaften teilnehmen, desto besser wird das Turnier. Anmelden könnt Ihr euch vor Ort, wir lassen uns gerne überraschen, wer alles kommt...

Es spielen immer 3 gegen 3, ihr könnt auch bis zu 2 Auswechselspieler mit einplanen. Natürlich gibt es noch mehr Regeln beim Streetkick, die erklären wir jedoch ganz in Ruhe und genau vor jedem Turnier.

Vielleicht noch ein Hinweis: Eure Stollenschuhe könnt ihr getrost zu Hause lassen! 

Sollten einmal nicht genügend Mannschaften erscheinen, macht das gar nichts, dann spielen wir einfach so!

Die Termine in der Übersicht

Die aktuellen Termine für 2015 findet ihr unter diesem Link:

Terminkalender

Die Entwicklung des ersten mobilen Fußballfeldes

Durch den Gewinn des DFB-Pokals 1989 und die darauffolgenden hervorragenden Ergebnisse des BVB 09 in der Bundesliga wurde Anfang der 90er Jahre eine große Fußballeuphorie in Dortmund ausgelöst. Dies traf natürlich vor allem auf die Jugendlichen in und um Dortmund zu. „Fußballfan zu sein“ entwickelte sich immer mehr zu einer eigenständigen Jugendkultur.

Von dieser unglaublich großen Gruppe jugendlicher Fußballfans konnte sich nur ein relativ kleiner Teil den Wunsch erfüllen, ein Spiel im Westfalenstadion live zu erleben. Vor jedem Heimspiel lautete damals die Schlagzeile in der Presse: „42.800 Zuschauer – ausverkauft“. Und fast alle Zuschauer im Stadion, auch auf der Südtribüne, besaßen eine Dauerkarte. Die Mitarbeiter des Fan-Projekt Dortmund e.V. konnten also im Stadion
nur einen relativ kleinen Ausschnitt dieser Jugendkultur „Fußballfans“ erreichen. Da sich das Fan-Projekt Dortmund als Drehpunkteinrichtung für jugendliche Fußballfans verstand und natürlich auch noch heute versteht und da das Stadion nur einen kleinen Ausschnitt dieser jugendlichen Lebenswelt darstellt, suchten die Mitarbeiter Möglichkeiten die Jugendlichen auch in Ihren originären Lebensräumen zu erreichen.

Im Herbst 1993 führte eine große italienische Sportartikelfirma im Vorfeld der WM 94 in den USA eine Werbekampagne durch, in deren Rahmen auch das Kleinfeld Fußballspiel „Calcetto“ vorgestellt wurde. Den
Sportlehrer Thilo Danielsmeyer faszinierte beim Studieren des Werbefolders die bewusst einfache Struktur dieses Spiels, die an den traditionellen Straßenfußball der 50er und 60er Jahre im Revier erinnerte. Mit einem befreundeten Schreiner und zwei Zollstöcken bewaffnet schaute er sich das „Event“ in einer ausgedienten Fabrikhalle in Dortmund an. Die von mehreren Trucks angelieferten Fußballfelder waren sehr sperrig und schwer, an einen mobilen Einsatz war kaum zu denken. Das Spiel drei gegen drei auf einem kleinen Feld kam bei den teilnehmenden Jugendlichen, trotz eines hohen Startgeldes und ständiger Werbedurchsagen, sehr gut an. Schon am nächsten Tag saß man am Zeichenbrett um ein ähnlich großes Spielfeld zu entwerfen, dass problemlos mit einem Kleinbus transportiert werden kann.
Eine eigene, 12 x 8 m große, von 1 Meter hohen Banden umgebene mobile Straßenfußballanlage, in die zwei kleine klappbare Tore integriert wurden, stellte der Schreiner kurze Zeit später fertig. Da für ein solches Vorhaben kein Geld zur Verfügung stand, erklärte er sich bereit, auf sein Honorar zu verzichten bis man einen Sponsor finden würde.

Das „Streetkick“-Konzept

Vor dem Hintergrund des zunehmenden Mangels an Bewegungs- und Freiräumen für Kinder und Jugendliche in den Städten und der sich ständig verschärfenden Situation vor allem in sozialen Brennpunkten mit hohem Ausländeranteil sowie der Beobachtung, das sozial benachteiligte Jugendliche im Sport und in den Vereinen unterrepräsentiert sind, entwickelte das Team des Fan-Projekts ein mobiles Straßenfußballkonzept mit dem Ziel, die Jugendlichen in ihrem eigenen Lebensraum zu erreichen, sie also „dort abholen wo sie stehen“. Das neu konzipierte Straßenfußballspiel erhielt den Namen „Streetkick“. Die Spielidee des Streetkick ist, ähnlich der des klassischen Straßenfußballs im Ruhrgebiet, bei dem auf Kellerlöcher, Garagentore etc. gespielt wurde, bewusst einfach. Gespielt wird mit maximal fünf Spielern, von denen drei Spieler gleichzeitig auf dem Spielfeld sein dürfen. Streetkick wird ohne Torwart und Schiedsrichter gespielt und jegliches Foulspiel ist verboten. Es gelten die Regeln der Fairness und gegenseitigen Rücksichtnahme. Dieses einfache Regelwerk ermöglicht jedem Kind und jedem Jugendlichen, natürlich auch Mädchen, die aktive Teilnahme am Spielgeschehen. Unter pädagogischen Gesichtspunkten ist es eminent wichtig, dass jeder mit jedem spielen kann und sowohl spontane als auch vorher bestimmte Mannschaften gegeneinander antreten können ohne, dass jemand ausgegrenzt wird.
Die „Street-Tour“

Im Sommer 1994 fand die erste „Streetkick-Tour“ mit acht Veranstaltungen, davon sechs in Dortmunds größtem Problemgebiet, der Nordstadt (mit einem Ausländeranteil von über 60 %) statt . Zwei Veranstaltungen wurden vor einem Elektronik-Fachmarkt durchgeführt, der dafür die Kosten der Streetkick-Anlage übernahm. Da das Fan-Projekt Dortmund e.V. nur aus den beiden festangestellten Mitarbeitern Rolf-Arnd Marewski und Thilo Danielsmeyer bestand, wurden die Veranstaltungen in enger Kooperation mit dem Jugendamt und dem Stadtsportbund durchgeführt. Diese Kooperation mit Netzwerkpartnern weitete sich im Verlauf der Jahre erheblich aus und ist zu einem zentralen Punkt des gewaltpräventiven Konzepts des Fan-Projekts geworden. Es gibt praktisch keine Einrichtung in Dortmund, die mit Jugendlichen arbeitet, die nicht in dieses Konzept eingebunden ist. Die erste Tour wurde ein unglaublicher Erfolg und meist belagerten mehrere hundert Jugendliche das Spielfeld. Die Mitarbeiter des Fan-Projekts, mit ihrer sozialpädagogischen Arbeit mit Dortmunder Fußballfans schon mehr als ausgelastet, stießen recht bald an ihre Grenzen. Professionelle Strukturen mussten her. Zum Glück erkannten weitsichtige Politiker den Wert dieses innovativen Jugendprojekts. Seit 1995 fördert das Land NRW dieses mobile Straßensportangebot, 1996 und 1997 trat sogar die Europäische Union im Rahmen eines großen Anti-Rassismus in die Förderung ein. Auch ein lokaler Sponsor, die Dortmunder Energie und Wasser (DEW), konnte 1996 als Sponsor gewonnen werden und unterstützt das Projekt bis heute in erheblichem Umfang. Für die „Streetkick-Tour 1996“ konnten erstmals pädagogische Mitarbeiter eingestellt werden. Weiterhin wurden speziell auf die Tour ausgerichtete Fahrzeuge mit dazugehörigen Hängern und Veranstaltungsequipment (Musikanlage etc.) erworben. Das Ziel, diesem Projekt professionelle Strukturen zu geben, war damit erreicht.

Seit 1996 besteht die Street-Tour aus ca. 40 bis 50 Veranstaltungen, die schwerpunktmäßig in strukturell benachteiligten Vororten bzw. in Stadtteilen mit hohem Migrantenanteil durchgeführt werden. Die Mitarbeiter sind pädagogisch geschult und arbeiten vor Ort eng mit den jeweiligen Kooperationspartnern zusammen, z.B. Jugendamt, Jugendring, Stadtsportbund usw. In der Regel finden die Veranstaltungen bei den jeweiligen Partnern statt (Jugendheime, Kulturzentren, öffentliche Plätze, Sportanlagen) bzw. werden in größere Veranstaltungen integriert (Kulturfeste, Projektwochen, Jugendfestivals u.ä.). Angekündigt werden die Veranstaltungen durch ein großes Tour-Plakat, das traditionell im April vom Fan-Projekt vorgestellt wird. Natürlich können sich die Jugendlichen die Informationen auch aus der Tagespresse oder von der Fanprojekt-Internetseite holen. Finanziert wird die Tour seit 1996 durch das Land NRW, die Stadt Dortmund und die DEW. Im Verlauf des nunmehr 18jährigen Projektzeitraums konnten die Fanprojekt-Mitarbeiter 3 richtungsweisende Thesen aufstellen:

  • Kontakte zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen bauen die Angst vor dem Unbekannten bzw. Fremden ab und beugen so einer entstehenden Ausländerfeindlichkeit vor. Aufgrund seiner Spielidee ist das „Streetkick“ Spiel in besonderem Maße hierfür geeignet.

     

  • Ausländerfeindlichkeit ist für viele junge Menschen eine Möglichkeit, um jeden Preis aufzufallen und sich darzustellen. Aufgabe der Jugendsozialarbeit muß es sein, den Jugendlichen alternative Aktionsmöglichkeiten anzubieten.

     

  • Potentiell gewaltbereite Jugendliche, das originäre Klientel des Fan-Projekt Dortmund e.V. haben beim „Streetkick“ die Gelegenheit, im fairen, sportlichen Wettkampf andere als aggressiv-gewaltsame Erfahrungen zu verinnerlichen

Im Rahmen der EU-Förderung stellte das Fan-Projekt das Konzept mobiler Sportangebote in der Jugendsozialarbeit in vielen Ländern Europas vor. Besonders die England-Tour im Herbst 1997 wurde ein unglaublicher Erfolg. Das von vielen Berufskollegen am Anfang belächelte mobile Sportangebot fand nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa viele Nachahmer.

Seit Ende der 90er Jahre ist dieses mobile sportpädagogische Straßenfußballkonzept des Dortmunder Fan-Projekts zum Vorbild und Modell für die mobile Jugendsozialarbeit in Deutschland geworden. Viele Städte,
Jugendeinrichtungen, Sportorganisationen und natürlich auch die Fanprojekte haben sich am Dortmunder Konzept orientiert.

 

Die FIFA WM 2006 und die NRW-Street-Tour

Höhepunkt sämtlicher Streetsoccer-Aktivitäten war sicherlich die FIFA-WM 2006, wo mobile Straßenfußballangebote in den Ausrichterstädten im Bereich der Fanbetreuung eine zentrale Rolle spielten. Das Fan-Projekt Dortmund führte im Rahmen seiner „Streetkick-WM“ während des WM-Sommers 85 Straßenfußballveranstaltungen durch.Seit dem Jahr 2005 führt das Team, unterstützt vom Fan-Projekt Bochum, im Auftrag des Jugendministeriums eine NRW-Street-Tour unter dem Motto „kick racism out“ durch, die in allen Städten mit pädagogisch arbeitenden Fanprojekten in NRW Station macht.

 

Die Street-Tour im Präventionskonzept

Das mobile Straßenfußballkonzept ist, gemeinsam mit dem BVB-Lernzentrum und den betreuten Auswärtsfahrten der „Young Generation“, ein wichtiger Pfeiler in der gewaltpräventiven Arbeit des Fan-Projekt
Dortmund. Die spezifische, jugendtypische Inszenierung und die besondere Kompetenz der Mitarbeiter als Profis im Umgang mit jugendlichen Fußballfans ermöglicht den Zugang zu einer der größten und wichtigsten Jugendkulturen. Dem Fan-Projekt und seinen Kooperationspartnern bietet sich durch dieses mobile Angebot die Möglichkeit, über den Sport hinaus eine große Gleichaltrigengruppe zu erreichen und diesen Jugendlichen bei Bedarf erzieherische, beratende oder für sorgerische Hilfestellungen zu geben.
Möglichkeiten und Grenzen sportpädagogischer Angebote in der Sozialarbeit

Der Sport an sich und der Fußball im Besonderen ist natürlich nicht, auch wenn das viele Vereinssportler nicht wahrhaben wollen, per se gewaltpräventiv oder gar erzieherisch. So sind viele Dortmunder Hooligans oder auch einige zum Teil gewaltfaszinierte Ultras, das primäre Klientel des Fan-Projekt Dortmund, aktive Vereinsspieler. Sport fördert häufig das extreme Leistungsdenken, aggressives und destruktives Verhalten (Betrügen, Behindern, Foulen, übertriebene Härte, Doping etc.) führt häufig zu Erfolgen im Sport.

Aber andererseits kann der Sport auch helfen Gewaltpotentiale abzubauen und Aggressionen zu kontrollieren. Sport kann zur Fairness erziehen und durch aktive persönliche Begegnungen dazu beitragen, vorhandene Vorurteile und Angst vor Fremden abzubauen, er kann Erfolgserlebnisse und Anerkennung verschaffen. Um dieses positive Potential des Sports zu nutzen und in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine große fachliche und pädagogische Kompetenz aller handelnden Personen absolute Voraussetzung.